Heute bin ich mal wieder unterwegs in meiner Lieblingsmission: Verbraucher davon zu überzeugen, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) bei weitem nicht so ernst zu nehmen ist, wie manche furchtsamen Zeitgenossen glauben. Einigen kämpferischen und auch amüsanten TV-Beiträgen – etwa die Stern-Sendung mit Herrn Jauch, in der sogar Milchpulver von 1946 zubereitet wurde – zum Trotz, halten sich auch in meinem Bekanntenkreis Vorurteile über „abgelaufene Lebensmittel“ hartnäckig.

Angesichts des Müllberges, der hierzulande allein durch verfrüht weggeworfene Lebensmittel entsteht, kommt mir die Galle hoch, wenn ich Menschen dabei beobachte, wie sie nicht einmal mehr dem Joghurt eine Chance geben, der just an diesem Tag ablaufen soll, also offiziell noch gar nicht schlecht – im Sinne des aufgedruckten Datums – ist. Mein Appell daher: Macht Euch mal nicht ins Hemd, sondern lernt und überzeugt Euch dann selbst:

Das Mindesthaltbarkeitsdatum (Betonung liegt hier auf MINDEST, heißt also: Mindestens haltbar bis, nicht maximal haltbar bis) ist alles andere als ein Verfallsdatum und bei sachgerechter Lagerung in der ungeöffneten Originalverpackung in der Regel auch nach dem angegebenen Datum noch genießbar.

Ich habe ständig bereits abgelaufene Lebensmittel im Kühlschrank und kaufe Produkte, die bald ablaufen sollen, sogar bewusst ein, weil viele Supermärkte die günstiger abgeben. Vor allem bei Joghurts habe ich die Beobachtung gemacht, dass diese in 98% aller Fälle noch Wochen später ganz normal schmecken. Es kann sein, dass es zu minimalen Veränderungen der Konsistenz kommt, weil sich mit der Zeit Wasser an der Oberfläche absetzt. Das ist aber nicht schlimm und man kann das Ganze ganz unkompliziert wieder cremig rühren. Wenn ich mir tatsächlich mal unsicher bin, werfe ich wenigstens mal einen Blick in den Becher und nehme eine Geruchs- bzw. kleine Geschmacksprobe, wenn es sonst keine Auffälligkeiten gibt. Und seht her – mir geht es hervorragend.

Selbstgemachter „Gammel-Lassi“: Prädikat LECKER!

Aus „Gammelprodukten“ kann man sogar hervorragende Rezepte kochen! Ich habe mich für einen indischen Mango-Lassi entschieden – aus abgelaufener Buttermilch, abgelaufenem Joghurt (beide drei Wochen über der Zeit) und vermutlich ebenfalls abgelaufenen Dosenmangos (es war kein Datum darauf zu finden, die Dose hab ich aber sicher schon seit mindestens 6 Jahren rumstehen).

Hier die verwendeten Produkte – Bild aufgenommen am 10.Oktober 2012

Joghurt mit überschrittenem Mindesthaltbarkeitsdatum: Nach 3 Wochen noch genießbar!

Direkt nach dem Öffnen zeigen sich wässerige Ablagerungen (besonders links bei der Buttermilch), die jedoch nichts mit Qualitätseinbußen am Produkt zu tun haben. Einmal fix durchrühren und schon ist das Problem gelöst – siehe übernächstes Bild.

Drei Wochen nach Überschreitung des MHDs ist dieser Joghurt noch genießbar.

Einwandfreie Buttermilch und tadelloser Joghurt – und das drei (!!!) Wochen nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums.

Drei Wochen nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums schmeckt dieser Joghurt noch vorzüglich.

Das Resultat: Erfrischender Lassi-Drink aus Joghurt, Buttermilch und pürierten Mangos – verfeinert mit Rosenwasser, Kardamom, Nelkenpulver, Zucker und Zimt. Genau das Richtige zu einem scharfen Curry-Gericht.

Leckerer Mango-Lassi aus abgelaufenen Produkten.